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Flaschenpost Nachrichten

07.09.08 17:35 Alter: 3 Jahre

22-jährige "Reise" einer Flaschenpost

Von: ALICE GEMPFER

Alles ist möglich.

„Das Ganze hat mir vor einem Jahr in einer sehr schwierigen Zeit gezeigt: Alles ist möglich. Das hat mir Mut und neue Kraft gegeben - beides hatte ich bitter nötig“, erinnert sich Uwe Kaulartz . Noch heute merkt man dem 35-Jährigen an, dass ihn die Erinnerung an die schwere Krankheit seiner Schwester Nicole Lennartz berührt. „Als es meinem Vater auch noch schlecht ging, musste ich für uns alle Kraft haben. Manchmal konnte ich einfach nicht mehr.“ Fast täglich fuhr Kaulartz nach seiner Arbeit als Werkselektriker bei Schoeller zu seiner Schwester ins Krankenhaus. Dort war er auch mit seiner Mutter Brunhilde , als Hermann-Josef Röllicke durch Hellenthal streifte, um ihn ausfindig zu machen.

„Als meine Mutter am Tag darauf anrief und fragte, ob ich eine Flaschenpost verschickt habe, wusste ich zuerst gar nicht, was sie meinte.“ Der Finder, eben jener Hermann-Josef Röllicke, hatte sich telefonisch bei ihr gemeldet. Mutter Kaulartz informierte natürlich sofort ihren Sohn, der mittlerweile in Kall lebt. Er habe dann länger grübeln müssen, aber schließlich sei die Erinnerung zurückgekommen: „Natürlich! Im Urlaub bei Tante Trude habe ich mit zwölf Jahren mal eine Flaschenpost verschickt. Ich glaube, damals war auch Alexander Kuffner dabei.“ Gemeinsam hatten die beiden Jungen vor 22 Jahren, inspiriert von einem Fernsehfilm, handgeschriebene Botschaften in Glasfaschen gesteckt, diese gut verschraubt und auf die Reise geschickt.

Kaulartz: „Meine Tante lebt auch in Hellenthal, dort haben wir die Flaschen in die Olef geworfen.“ Richtig weit, sagt er schmunzelnd, sei die „Post“ ja nicht gerade gekommen. Der Düsseldorfer Röllicke fand die Botschaft bei einem Spaziergang am Urftsee. „Aber dass er ausgerechnet diese Flasche gefunden hat, und das nach 22 Jahren - das ist schon Wahnsinn.“

Stolz zeigt Kaulartz dabei auf einen großen Bilderrahmen, der nun seine Wohnung schmückt. Darin sind sowohl der Brief von Hermann-Josef Röllicke als auch das Originaldokument, das er am 9. April 1985 auf die Reise schickte, gut verwahrt. „Verrückt ist auch, dass Herr Röllickes die Flaschenpost am 16. April, also fast auf den Tag genau nach 22 Jahren gefunden hat. Das hat mir damals, als wir nicht wussten, ob meine Schwester wieder aus dem Koma aufwacht, einen Riesenschub gegeben. Für mich war es der Beweis dafür, dass auch Unmögliches wahr werden kann.“ Wurde auch sein größter Wunsch, die Gesundheit seiner Schwester wahr? „Ja, es ist wirklich ein Wunder. Meine Schwester ist wieder ganz gesund, auch meinem Vater geht es wieder gut.“

Nur eines hat immer noch nicht geklappt: Das Treffen mit dem Düsseldorfer Finder. Aber das will Kaulartz auch bald in Angriff nehmen: „Meine Freundin Luisa Kehl und ich planen, bald mal ein Wochenende nach Düsseldorf zu fahren, um dann auch endlich einmal Hermann-Josef Röllicke zu treffen."


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