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Flaschenpost Nachrichten

10.09.09 19:42 Alter: 324 Tage

Flaschenpost von Deutschland nach Amerika?

Von: Sascha Ott

Kann eine Flaschenpost von Deutschland nach Amerika schwimmen?

Die Kleine Anfrage: Kann eine Flaschenpost vom Rhein bis nach New York treiben?

Man muss nicht unbedingt als Schiffbrüchiger auf einer einsamen Insel hocken, um auf die Idee zu kommen, eine Flaschenpost loszuschicken. Manchmal reicht schon ein unternehmungslustiger Tag am Strand oder eine Fährfahrt übers offene Meer: Schnell ist ein kurzer Brief verfasst in eine Flasche gesteckt, diese fest verschlossen und ab die Flaschenpost! Dann beginnt das Warten. Denn egal, ob schiffbrüchig oder nicht: Wer eine Flaschenpost losschickt, der will, dass sie gefunden wird. Wohin wird sie treiben? An welchem Strand wird sie angeschwemmt? Wer wird sie finden?

Von Düsseldorf nach New York

Wohin treibt zum Beispiel eine Flasche, die bei Düsseldorf in den Rhein geworfen wird? Kann Sie bis nach New York gelangen? Zunächst einmal ist es natürlich jederzeit möglich, dass der Wind die Flasche schon nach wenigen Kilometern irgendwo ans Ufer treibt. Aber mal angenommen, sie würde der Strömung folgen: Sie würde über die Rheinmündung in die Nordsee gelangen. Die Nordsee zirkuliert gegen den Gegenuhrzeigersinn. Das heißt, die Flaschenpost würde an Deutschland und Dänemark vorbei in Richtung Skandinavien getrieben. Dort könnte sie auf Ausläufer des atlantischen Golfstroms treffen. Im Atlantik gibt es, grob betrachtet, ebenfalls eine große Strömung gegen den Uhrzeigersinn: Als Golfstrom von Amerika in Richtung Europa und durch das Europäische Nordmeer wieder zurück nach Amerika. Mit dieser Strömung könnte die Flasche im günstigsten Falle über Grönland und Kanada bis nach Amerika getrieben werden. Immer vorausgesetzt natürlich, sie wird nicht zwischenzeitlich irgendwo an Land geschwemmt.

Eine Flaschenpost ist kein D-Zug
Tatsächlich ist es also theoretisch durchaus möglich, dass es eine Flaschenpost bis an die amerikanische Westküste und bis nach New York schafft. Viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass sie schon in Duisburg ans Ufer geschwemmt wird. Und noch etwas sollten ambitionierte Flaschenpostabsender mitbringen: Geduld. Denn sollte die Flasche wirklich eine glückliche Strömung erwischen, dann können Jahre vergehen, bis sie die Strecke nach Amerika zurückgelegt hat. Aber sollte es ihr tatsächlich gelingen, dann wäre sie glatt ein Fall für die Wissenschaft. Denn es gibt tatsächlich Forscher, die anhand von Treibgut ihre Modelle der Ozeanströmung überprüfen.

Badeentchen auf großer Reise
Dabei spielen weniger Flaschenpost-Experimente als Schiffshavarien eine Rolle. Immer wieder stürzen nämlich Container in schwerer See von Frachtschiffen, öffnen sich und ergießen ihre Ladung ins Meer. Legendär ist beispielsweise der Fall von 29.000 Badeentchen, die 1992 von einem Schiff in den Pazifik stürzten. Nach wenigen Monaten wurden erwartungsgemäß die ersten Enten an kanadischen Stränden gefunden, nach etwa zwei Jahren werden einige der quietschgelben Plastiktiere an der Beringstraße angetrieben. Aber für tausende Enten ist die Reise da noch lange nicht zu Ende. Sie werden im Packeis eingeschlossen und folgen der gemächlichen Eisdrift durch das nördliche Polarmeer. Jahrelang bleiben sie verschollen. Dann plötzlich werden im Jahre 2003, elf Jahre nach der Havarie, die ersten Badeentchen im Nordwesten Schottlands angeschwemmt. Die Ozeanforscher sind begeistert. Im Sommer 2007 schließlich landen einige Entchen im Südwesten Englands. Und noch heute könnten irgendwo am Strand Enten angeschwemmt werden. Leicht vergilbt, aber sonst gut in Schuss. Am Meer die Augen offen zu halten, könnte sich lohnen: Für jeden weiteren Fund hat der Hersteller eine Prämie ausgesetzt.

WDR 5  Sendungen  Leonardo  Sendung vom 14.08.2008 16:05  Beitrag


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