Flaschenpost Kunstexperiment

Steve Meyer verteilte hundertmal eine Flaschenpost in Hamburg und forderte die Finder auf, ein Foto zu schicken und eine Frage an ihn zu stellen. Am Anfang prägt sich ein Satz oder ein Bild in sein Gedächtnis ein. "So entstehen bei mir Ideen", sagt der Hamburger Künstler Steve Meyer, "und entweder diese Ideen gewinnen an Macht oder nicht". Schon als Kind hatte Steve Meyer eine Flaschenpost verschickt - aber keine Antwort bekommen. Als er eines Tages um die Alster spazierte, erinnerte er sich an jene Flaschenpost. Diese Idee gehörte zu denen, die sich im Kopf des 24 Jahre alten Hamburgers ausbreiteten. Nach und nach reifte sein "Flaschenpost-Kunst-Experiment". Hundert Flaschenpostsendungen verteilte der Student an der Hamburger Hochschule für bildende Künste zwischen Juni und September 2000 im Hamburger Stadtgebiet. Aber nicht in Elbe und Alster ließ er seine Post im gläsernen Umschlag gleiten. Der in Poppenbüttel aufgewachsene Hamburger legte seine Botschaften an 100 ausgewählte Orte in seiner Stadt, die er sorgfältig mit Fotos in einem Buch dokumentierte: zwischen tiefgefrorene Hähnchen, in eine Telefonzelle, in ein Hotelbett, auf die Treppe der Galerie der Gegenwart, zwischen die Socken bei C & A, in einen Sex-Shop an der Langen Reihe, in die Herren-Toilette der Musikhalle, in einen Kinderwagen in der Sierichstraße und an viele andere Orte mehr. In einem Brief in der Flasche forderte Meyer die Finder auf, ihm ein Foto zu schicken und ihm eine Frage zu stellen. Acht Rückmeldungen erhielt Steve Meyer. Er traf sich mit den Findern und arbeitete die Antworten künstlerisch auf. Die Ergebnisse sind auf dem Heuboden des Museums am Gorch-Fock-Wall zu sehen und ergänzen die Flaschenpostsammlung der Dauerausstellung. Gezeigt werden in der Schau 100 Fotos mit den Orten, an denen Meyer die Flaschen auslegte, und acht Ölbilder, die durch die Antworten entstanden sind. Dabei hat Meyer auch die Fragen verarbeitet, die die Finder gestellt haben. Eine Kindergartengruppe sichtete eine Flasche auf einem Spielplatz. "Die Kinder wollten von mir wissen, wie die Flasche dorthin gelangt ist", sagt Meyer. "Leben wir in unseren Kindern weiter?" und "Was ist Liebe?" - diese Fragen erhielt der Künstler per Kassette in einem aufgezeichneten Gespräch der Finder. Das Band wird in der Ausstellung zu hören sein. "Es macht mir Spaß, mit Dingen zu tun zu haben, von denen ich vorher nichts wusste", sagt Meyer. Ein dritter Teil der Ausstellung im Museum stellt acht gefundene Flaschenpostsendungen 92 gegenüber, deren Verbleib ungeklärt ist. Stehen sie noch an ihrem Platz, oder sind sie im Müll gelandet? Für Steve Meyer ist seine Aktion beendet. Die Scherben der verlorenen Flaschen hat er in 92 Betonblöcke gegossen und mit acht unbeschädigten Flaschen zu einer Rauminstallation im Museum für Kommunikation Hamburg verarbeitet.

 
message in a bottle - flaschenpost